Die Informatik ist eine junge Wissenschaft – als eigenes Fach gibt es sie erst seit den 1960er Jahren. Ihre Wurzeln reichen aber viel weiter zurück: zu den ersten mechanischen Rechenmaschinen, zur Logik und zur Mathematik. Dieser Überblick zeichnet die wichtigsten Etappen der Geschichte der Informatik nach.

Vorgeschichte: Rechnen mit Maschinen

Schon im 17. Jahrhundert bauten Gelehrte Rechenmaschinen. Wilhelm Schickard konstruierte 1623 eine Maschine, die addieren und subtrahieren konnte. Blaise Pascal folgte mit der Pascaline, Gottfried Wilhelm Leibniz mit einer Maschine, die auch multiplizieren konnte. Leibniz beschrieb zudem das Binärsystem, das heute die Grundlage jedes Computers bildet.

Im 19. Jahrhundert entwarf Charles Babbage die Analytical Engine, einen programmierbaren mechanischen Rechner, der allerdings nie fertiggestellt wurde. Ada Lovelace schrieb dazu Notizen, die als eines der ersten Computerprogramme gelten. Fast zeitgleich entwickelte George Boole die nach ihm benannte Algebra der Logik.

Die theoretischen Grundlagen

1936 beschrieb Alan Turing ein abstraktes Rechenmodell, die Turingmaschine. Mit ihr ließ sich präzise fassen, was „berechenbar“ bedeutet. Turing zeigte auch, dass es Probleme gibt, die kein Algorithmus lösen kann. Diese Arbeiten bilden bis heute das Fundament der theoretischen Informatik.

Die ersten Computer

1941 stellte Konrad Zuse in Berlin die Z3 fertig, den ersten funktionsfähigen programmgesteuerten Digitalrechner. In den USA entstanden in den 1940er Jahren Großrechner wie der ENIAC. John von Neumann beschrieb eine Architektur, in der Programme und Daten im selben Speicher liegen – die Von-Neumann-Architektur, nach der die meisten Computer bis heute gebaut werden.

Informatik wird zur Wissenschaft

In den 1950er und 1960er Jahren entstanden die ersten höheren Programmiersprachen wie Fortran, Lisp und COBOL. Der Transistor und später der integrierte Schaltkreis machten Rechner kleiner, schneller und billiger. Der Begriff „Informatik“ verbreitete sich im deutschsprachigen Raum, und Ende der 1960er Jahre wurden an deutschen Hochschulen die ersten Informatik-Studiengänge eingerichtet. Auch der Begriff der künstlichen Intelligenz stammt aus dieser Zeit: Er wurde 1956 auf einer Konferenz in Dartmouth geprägt.

Personal Computer und Internet

In den 1970er Jahren kamen Mikroprozessoren und die ersten Heimcomputer auf, in den 1980ern verbreiteten sich Personal Computer in Büros und Haushalten. Parallel entwickelte sich aus dem ARPANET, das 1969 in den USA startete, das Internet. Tim Berners-Lee erfand Ende der 1980er Jahre am CERN das World Wide Web mit HTML, URLs und HTTP. Mehr zu HTML steht im Beitrag Ist HTML eine Programmiersprache?

Informatik in der Schule

Schon in den 1970er Jahren gab es erste Informatikkurse an Gymnasien. Mit den Heimcomputern der 1980er Jahre wuchs das Interesse, und die Gesellschaft für Informatik begann mit Fachtagungen zu „Informatik und Schule“ – der INFOS-Reihe. Seitdem hat sich das Fach von Programmierkursen zu einem allgemeinbildenden Fach entwickelt, das Algorithmen, Daten, Netzwerke und gesellschaftliche Fragen behandelt.

Zeitleiste

JahrEreignis
1623Schickards Rechenmaschine
um 1700Leibniz beschreibt das Binärsystem
1840erBabbage und Lovelace: Analytical Engine
1936Turing beschreibt die Turingmaschine
1941Zuses Z3
1956Begriff „künstliche Intelligenz“ geprägt
1969Start des ARPANET
um 1990World Wide Web entsteht
2010erDurchbruch des maschinellen Lernens
2020erGroße Sprachmodelle verbreiten sich

Heute: KI und Digitalisierung

Seit den 2010er Jahren haben maschinelles Lernen und neuronale Netze große Fortschritte gemacht. Sprachmodelle können Texte schreiben und Fragen beantworten – mit Folgen für Gesellschaft und Schule. Wie Lehrkräfte damit umgehen können, zeigt der Beitrag KI im Unterricht.